Das 5-Minuten-Geschenk für Netzwerker

Das 5-Minuten-Geschenk für Netzwerker

06.02.2017 Guido Augustin

Ich habe mich lange gewundert, wie erfolgreiche Netzwerker das machen: Sie scheinen anderen selbstlos zu helfen, ohne an sich selbst zu denken - und sind dennoch in dem, was sie selbst tun, sehr erfolgreich. Manchmal habe ich mich gescheut, andere zu unterstützen, weil ich fürchtete, meine eigenen Geschäfte könnten darunter leiden. Und wenn ich viel für andere da war, schien es tatsächlich so, als geriete ich in eigener Sache ins Hintertreffen. Es gibt einen Zauber, der aus diesem Dilemma führt: Das 5-Minuten-Geschenk.

Zuerst davon gelesen habe ich in Adam Grants „Give and take“ (gibt es hier auch auf Deutsch: „Geben und Nehmen"), einer extrem hilfreichen Anleitung, erfolgreich zu Netzwerken, die noch dazu schön erzählt ist. Grant berichtet von Adam Rifkin, der als einer der bestvernetzten Menschen im Silicon Valley gilt, der immer ansprechbar, stets hilfsbereit und selbst sehr erfolgreich ist. Sein Rezept: Der Five Minute-Favor. Wenn ihn jemand um einen Gefallen bittet, beispielsweise einen bestimmten Kontakt, eine bestimmte Information, einen Ratschlag, dann investiert Rifkin gerne fünf Minuten seiner Zeit, die Bitte zu erfüllen. Nicht mehr.

Später erzählte mir Harald Lais, der in Deutschland dem Unternehmernetzwerk BNI vorsteht, von seiner Erfahrung mit Phil Berg, einem englischen Berater und Trainer. Er hatte ihn vor vielen Jahren getroffen und Phil fragte ihn, was er für ihn tun könne. Harald wusste eine Antwort (ohnehin eine gute Idee, wenn man erfolgreich Netzwerken möchte) und bat ihn um Kontakte zu bestimmten britischen Unternehmen. Phil hörte aufmerksam zu und versprach, sich am nächsten Tag zu melden. Das war keine leere Floskel, denn tatsächlich rief Phil Berg am nächsten Tag an: Er habe versucht, folgende Firmen anzurufen, nicht alle habe er erreicht, nicht alle seien interessiert gewesen, doch dieser freue sich auf Harald, er solle sich melden.

Phil Berg hat sein Wort gehalten, doch er hat sein Engagement streng limitiert. Die Investition in den Erfolg von Harald Lais dürfte kaum mehr als fünf Minuten betragen haben und dennoch war sie wertvoll. Wenn ich die richtigen Leute kenne und sie für jemand anderen um etwas bitte, dauert das nicht lange, muss es auch nicht. Ich bin ja kategorisch dagegen, Leistung und Erfolg in Zeit zu messen. Und noch etwas sehr wichtiges: Phil Berg hat die Verantwortung dafür übernommen, Harald ein Stück weiter zu bringen, indem er wortgetreu die gewünschten Kontakte knüpfte. Doch er hat keine Verantwortung für seinen Erfolg übernommen.

Das Prinzip des 5-Minuten-Geschenks bedeutet, zu versuchen, einem anderen eine Tür zu öffnen, weil ich den passenden Schlüssel besitze. Ich muss aber weder garantieren, dass sich diese Tür öffnet, noch muss ich jemanden über die Schwelle tragen, noch bin ich dafür verantwortlich, ob er dahinter vorfindet, was er sich wünscht. Ich kann also anderen helfen, wo sie selbst nicht weiterkämen und muss nicht befürchten, mich selbst zu verlieren.

So gewinnt das dahinter liegende Grundprinzip „Wer gibt, gewinnt“ unendlich mehr Kraft. Denn wie viel leichter kann ich geben, wenn ich nicht fürchten muss, mir selbst zu schaden? Wie viel mehr kann ich gewinnen, wenn ich fokussiert und wohldosiert helfe? Und wie viel leichter fällt es mir, andere nach Unterstützung zu fragen, wenn ich mich nicht sorgen muss, sie auszunutzen? Spätestens jetzt befeuert der Gedanke auch unser Fan-Prinzip und das darin enthaltene systematische Fan-Marketing; denn wir wissen, dass Fans gerne empfehlen und weiterhelfen, wo sie können. Manchmal müssen wir sie einfach nur danach fragen.

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Über den Autor

Guido Augustin

Texte, die wirklich funktionieren. Das ist die Positionierung von Guido Augustin, Autor und Unternehmer aus Mainz. Er schreibt Profile, Artikel und Fachbücher. In seinem Newsletter „Guidos Wochenpost“ befasst er sich mit tollen Texten, mehr Geschäft und einem schöneren Leben.